Jule Harder Portrait

TV Portrait über Jule Harder anlässlich der Ausstellung "Goya Variationen" bei Thomas Ravenborg. Ausgestrahlt im Hamburg Journal, am  08.12.2010.  
Regie: Jan Peter Gehrckens

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DIE WELT 2000

Szenen voller Einsamkeit, Angst und Hoffnung 

Zwei Menschen hocken, leicht gebeugt, auf einer Bank in kahler Umgebung, einsam und verloren. Eine Szene voller Verlassenheit. Aber im Hintergrund strahlt Licht. ”Ein Zeichen der Hoffnung”, sagt Anna-Sabine Harder. Nach sieben Jahren Auszeit ist sie jetzt wieder mit einer Ausstellung in die Öffentlichkeit getreten. Bis 20. August zeigt die Blankeneserin im Dom zu Lübeck Gemälde und Zeichnungen unter dem Motto ”Paternoster”. Das Gleichnis vom ewigen Kreislauf, vom Auf und Ab, von Abschied und Wiederkehr zieht sich durch ihre gesamten Arbeiten. Dennoch - bei aller Tristesse und trotz Visionen von Höllenstürzen und Ausweg- losigkeit läßt sie sich und den Betrachtern immer einen Hauch der Hoffnung. Anna- Sabine Harder, Jahrgang 1947, hat an der Hamburger Hochschule für bildende Künste unter anderem bei Gustav Seitz studiert, ihre Ausbildung in München vervollkommnet und malt, nach Stationen in den Niederlanden und Spanien, wieder in der Hansestadt. Die jetzige Werkschau präsentiert neue und ältere Arbeiten: ein Bild der Großmutter Anna, einer Pianistin, die in van Goghscher Manier im Sessel thront, ein Portrait der Tochter Line mit nostalgischer Haube, Zeichnungen von barocker Dynamik auf Packpapier, darunter ein Höllensturz. Aber dabei reißt es die Verdammten nicht in die Tiefe, sondern sie versuchen ans Licht zu gelangen. Ob das gelingt? Am Ende bleiben immer Fragen, wie beim Bild ”Die roten Kappen’, das zwei Figuren zeigt Männer oder Frauen? Inquisitoren oder Revolutionäre? Die Malerin zuckt mit den Schultern und lächelt... Harders Bilder hängen im Chor des Lübecker Dorns, an den Säulen, zwischen mittelalterlichen Grabmälern und den Portraits von Geistlichen. Kein schlechter Rahmen für die Szenen von Einsamkeit und Angst, der Suche nach Auswegen und der Hoffnung. gs PRESSE 


 



 LÜBECKER NACHRICHTEN 2000 

Paternoster: Ausstellung mit Werken von Anna-Sabine Harder im Lübecker Dom 

Die ehrwürdigen Domherren, die seit Jahr- hunderten an den Säulen der alten Lübecker Bischofskirche hängen, haben Gesellschaft bekommen. Unter dem Bildnis des Augustus Joachimus Wendt zum Beispiel hängt ein Gemälde mit dem Titel ”Zwei rote Kappen”. Hagere Gestalten in vorgerücktem Alter dis- putieren; womöglich über die gleichen Fragen, die den Prediger bewegten: Woher - wohin, zentrale Fragen der Menschheit. ”Paternoster” nennt sich eine Ausstellung der Hamburger Malerin Anna-Sabine Harder, die noch bis zum 20. August im Lübecker Dom zu sehen ist. Paternoster: Im allgemeinen denkt man bei diesem Begriff nicht an das Herrengebet, sondern eher an jenen altmodi- schen Vorläufer des Fahrstuhls, der in Behördenhäusern mancherorts noch sein Dasein fristet. Gebaut werden diese Elevatoren schon seit Jahren nicht mehr. Dieses Bildmotiv greift die Hamburgerin in mehreren Arbeiten auf: Menschen sind einge- sperrt in den Kästen des nimmermüden Holzfahrzeuges, warten auf den Ausgang. ”Gefangen - befreit” schreibt die Künstlerin in einem Fall darunter. Selbst die Darstellung eines Kreuzes erinnert bei ihr im Hauptstamm dieses Galgens aus der Römerzeit an Kästen, in denen Menschen sitzen, womöglich auf ihre Erlösung wartend. Anna-Sabine Harder malt in dunklen Tönen, überwiegend in Schwarz. Gelegentlich setzt die Farbe Rot einen deutli- chen Akzent. Ihre Bilder sind nicht gefällig, nicht geschmäcklerisch, eher fragend, anre- gend, in jedem Fall ehrlich. Sie setzen Gedanken frei, vollenden sich oft erst im Kopf des Betrachters. Dabei gibt es in der Auswahl für den Dom ausgesprochen ”schöne Bilder”. Das sind in aller Regel die Frauenportraits mit ihren sprechenden Zügen, die sogar elegant sein können. Andere Arbeiten, in denen die flüchtende oder flüchtige Masse Mensch den Gegenstand abgibt, erinnern an große Expressionisten, etwa des norddeutschen Raumes. Aber auch Anklänge etwa an das Werk Francis Bacons sind nicht zu übersehen. Bei den aus dem Gedächtnis gemalten Portraits stehen Realitätssinn und Allegorie eng beieinander, wie neben dem Eingang die Arbeiten ”Katinka und Leo” sowie ”Abschied” zeigen. Antwort auf manche Frage findet Anna-Sabine Harder offenbar in der Musik. Zweimal wird der Text von Bachs ”Matthäus- Passion” als Bildunterschrift zitiert: ”Mache dich mein Herze frei” und ”Nun ist mein Herr zur Ruh’ gebracht”. In anderem Zusammenhang hat die Künstlerin Franz Schuberts ”Winterreise” als künstlerisches Vorbild genannt – eine seltsam verstörende Verbindung von bildender Kunst und hochromantischer Musik. In Hamburg gab es bereits eine Aufführung der ”Winterreise” im Rahmen einer Ausstellung mit Werken Anna-Sabine Harders. In der hohen Weite des Domes gehen die Bilder der Künstlerin automatisch den Dialog mit der vorhandenen alten Kunst ein, und sie bestehen ihn. Das macht diese Ausstellung sehenswert. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet, außer bei Gottesdiensten und Amtshandlungen. 

Konrad Dittrich


2000
LÜBECK - „Paternoster" heißt eine Ausstellung im Lübecker Dom, die am 18. Juni eröffnet wird. Die Hamburger Malerin Anna Sabine Harder zeigt Öl undAcryl-Bilder sowie Kohlezeichnungen und will über den Titel bewusst mit den Assoziationen des Wortes spielen.

„Paternoster" ist ja einerseits ein inzwischen nichtmehr gebauter Endlosaufzug, andererseits der lateinische Name für das „Vater-unser"-Gebet.

Bildgegenstand ist der Mensch - der Mensch als zerrissene, flüchtende und wunde Gestalt.

Zur Eröffnung am Sonntag, 18. Juni nach dem Hauptgottesdienst um 12.15 Uhr spricht Professor Gero  Flurschütz. Zu sehen sind die Bilder montags bis sonnabends von 10 bis 18 Uhr, oder sonntags 13 bis 18 Uhr,  sofern keine Gottesdienste oder andere kirchliche Amtshandlungen das Umher schlendern im Gotteshaus verbieten



 



HAMBURGER MORGENPOST 1994 

Düsteres Menschenbild-nicht frei von Humor

Wenn Anna-Sabine Harder-Schroeder (46) keine Lust hat, allein Kaffee zu trinken, nimmt sie einfach auf einer der Gipsfiguren Platz, die sie in Stuhlform modelliert hat. Zurück- gezogen, das Tageslicht scheuend, malt sie meist düstere Menschen-Bilder, die aus der Erinnerung entstehen. Daß die Hamburgerin auch Sinn für Humor hat, zeigt sie vom 18. bis 31. März in den Krameramtsstuben am Michel: Mit sicherem Strich skizziert sie Frauen-Akte. Wie bei einem erotischen Aerobic-Cartoon ohne Text tänzeln die knackigen Nackten übers Papier. 

HAMBURGER ABENDBLATT 1981 

In völliger Isolation 

Ihre Freunde rufen sie Jule. Das klingt bur- schikos. Doch Anna Sabine Harder-Schroeder aus Nienstedten ist es nicht. Die 32jährige Malerin und Mutter von Katinka, 11, und Line, 9, schaut mit ihren dunklen Augen wie gebannt hinter allem Burschikosen und Ober- flächlichen. An der Staffelei am Langenhegen 18 legt sie dann die zweite Schicht des Menschen frei, das, was hinter der Alltags- maske liegt. Sie kapselt sich bei der Arbeit ab. Keiner darf sie stören. Nur dem Kater und der Katze ist es gestattet, auf weichen Pfoten her- umzuschleichen. Als Jule Harder die Kunst- schule am Lerchenfeld besuchte, war es schon so. Sie fuhr dann nach Hause, um arbeiten zu können. ”Ich brauche die völlige Isolation”, bekennt sie. Als Siebenjährige malte sie schon in sich versunken” Eines der Märchenbilder von einst rettete Großmutter über die Zeit. In der Ausstellung in der Eduard-Hallier-Bücherhalle ist es neben nord- deutschen Landschaften zu sehen. Sehend zu gestalten - ihre Mutter Gesine Schroeder lebte es ihr als Bildhauerin vor. In der Rudolf- Steiner-Schule Nienstedten wurde die Sensibilität der begabten Tochter in breitere künstlerische Bahnen gelenkt. Das weite Land unter dem großen Himmel liebt sie, Sylt. In der Toscana ist sie vom hellen Licht fasziniert, beim Spaziergang durch Nienstedten von Menschen, deren Gesichter auffallen, deren Haltung beim Sitzen unfreiwillige Komik oder satte Zufriedenheit verraten. Das alles wird gespeichert, im Nacherleben verformt, manchmal gemalt. Es entsteht der Mensch auf großflächiger Presspappe, so, wie ihn Anna Sabine Harder-Schroeder sieht. gp 



 



HAMBURGER ABENDBLATT 1981

Was sich hinter den Gesichtern der Mitmenschen verbirgt 

Die Großmutter am Flügel, der in einer weiten Landschaft steht, wo man schon das Meer ahnen kann. Ein Mann auf einem Stuhl, breit- beinig, mit Hosenträgern über dem offenen Hemd, abfallenden Schultern und einem run- den Gesicht mit Nickelbrille. Zufrieden behauptet dieser Mann seinen Platz. Diese beiden Bilder in einer interessanten Aus- stellung der Nienstedtener Malerin und Bildhauerin Anna Sabine Harder-Schroeder in der Blankeneser Eduard-Hallier-Bücherhalle (erster Stock) am Mühlenberger Weg machen auf die Gestaltungsfreude und auf gemalte unfreiwillige Komik der Menschen aufmerk- sam. Großflächig und großzügig malt die 32jährige Frau Personen, denen sie begegne- te. Beispielsweise einem 13jährigen Jungen, der, typisch für dieses Alter, mit langen Armen und überlang gemalten Händen dasteht. An den gut ausgeleuchteten Wänden Frauen- und Männergestalten auf großen, grau oder dunkel gehaltenen Flächen. Eine Künstlerin auf der Reise durchs allzu Menschliche stellt sich vor. Kontrapunkt der Ausstellung sind Bilder der norddeutschen Landschaften. Priele vor Sylt im Wattenmeer, Häuser, die im grauen Dunst verschwinden, ein Leuchtturm. Sparsame Linien grenzen das Motiv ein, heben es hervor, lassen Einsamkeit spürbar werden, in der jeder Wasserlauf, jeder Pfahl, jedes Haus seine eigene Bedeutung hat. Die Ton-in-Ton-Malerei verstärkt noch diese Aussage. Anna Sabine Harder-Schroeder ist noch vielseitiger, als es Besucher dieser Ausstellung ahnen. 1977 veröffentlichte sie im Nord-Süd-Verlag ein von ihr geschriebenes und mit Bildern versehenes märchenhaftes Buch für Kinder und Erwachsene: ”Der golde- ne Apfelbaum”. Wer es liest – und Phantasie hat –, wird in ein Land geführt, das hinter Mond und Sternen liegt.” Eines der Leitmotive 

wird sichtbar im Schaffen der Nienstedtener Künstlerin: hinter die Dinge des Lebens zu schauen. Hier eine Passage aus dem Buch: ”Tina und Lina saßen in ihrem Bett und flü- sterten zusammen. Glaubst du, daß es hinter dem Mond und den Sternen noch etwas gibt? Bevor Tina antworten konnte, erhob sich das Bett und flog mit ihnen hinaus, immer höher. Nach ihrer abenteuerlichen Entdeckungsreise kehren sie zur Erde zurück und haben Mut, einen Apfelbaum zu pflanzen. Zuvor hatte es ja eine große Sturmflut gegeben. Der Apfelbaum trägt natürlich Früchte. Das Leben hat wieder gesiegt. Ungewisses wird zur Gewißheit. Ähnliche Bild-”Geschichten” malt die Nienstedterin noch heute. Und sie kommt auch ohne Text dabei aus. Ihr Motiv, auf den Lebensgrund zu steigen, um auch künstle- risch weiter leben zu können, wird immer wie- der spürbar. 

Klönschnack 2009

Jule Harder zeigt ihre „Menschenbilder"


Bilder von Menschen sind das Leitthema der Arbeiten der Künstlerin Jule Harder, die sie in einer Ausstellung im Ravenborg präsentiert. Analytisch erfasst sie eine Person in Haltung, Gestus und Körpersprache, legt das Verborgene ihres Wesens frei. So gelingen ihr Charakterisierungen von Personen und Situationen, die in der Nähe des karikaturhaft Grotesken angesiedelt sind.

Bis 26. November, Elbchaussee 520,



 



Gemeindebrief der ev.-luth. Kirchengemeinde Blankenese 
April | Mai 2025 

Vom Abendmahl zur Auferstehung 

So 13. April, 11.15 Uhr | Gemeindehaus 

Vernissage mit Kunsthistoriker Thomas Sello und dem Blankeneser Sammler Ernst Michael Winter 

Drei Leihgaben aus der Elbgalerie Winter bereichern das Gemeindeleben vom Palmsonntag bis kurz vor Pfingsten. Im Zentrum hängt ein Osterbild, entstanden um 1510, zugeschrie- ben dem niederländischen Meister A.C. Es zeigt den Auferstandenen mit einem Kreuz- 

stab in der linken Hand, die Rechte im Segensgestus. Trotz des steilen Hochformats blicken wir in eine wunderbare Gebirgslangslandschaft mit einem Felsen im Vordergrund, sorgfältig gemalten Details im Mittel- grund, in der Ferne blaue Bergspitzen und viel Platz für den ausdrucksstarken Himmel.>S.1+12 
Fast 500 Jahre später entstanden die beiden Ölgemälde, die die Auferstehung Christi flankieren. In ihrer lebhaften, alle Ein- zelheiten aussparenden Malweise bilden sie einen kraftvollen Kontrast zur Feinmalerei des Meisters A.C. Links hängt „Das letzte Abendmahl“ von Hans-Günther Baass (1909-1991) Der Hamburger Maler lässt große Partien der grundier- ten Leinwand unbemalt und verzichtet auf Details, etwa zum Raum oder zu den Attributen der zwölf Jünger; nur Jesus in der Mitte ist deutlich zu erkennen. Die drei Kriegsknechte in Rüstung lassen in der grau- schwarzen unteren Ecke die Bedrohung erahnen, die über der Szenerie des letzten Abendmahls lauert. 

Jule Harder, Verspottung Jesu, 1993, 117x98 cm 


KUNSTSCHAU 69/70 

In den Wintermonaten wird die Reihe der Kunstausstellungen in den Räumen der Spiel- bank Westerland – von dem kunstsinnigen Direktor Ernst Lojewski arrangiert – fortge- setzt. Erstmalig werden Arbeiten von Jule Schroeder-Harder aus Hamburg gezeigt. Die Junge Malerin – nur kurze Zeit Schülerin der Bildhauerklasse des kürzlich verstorbenen Professors Gustav Seitz legitimiert sich mit den Arbeiten ”Große Sitzgruppe” und ”Frau im Sessel” als begabte Plastikerin. Dennoch löst sich Jule Schroeder-Harder sehr bald von dieser künstlerischen Tätigkeit, weder in Opposition noch in Eigensinn. vielmehr einer stärkeren Neigung folgend. Sie widmet sich der Malerei. So entstehen in eigenwilliger Weise großformatige Bildnisgestaltungen und kleine Landschaften in Öl. Die Faszination des menschlichen Antlitzes, der Ausdruck der Hände sind sprechende Akzente im 

Anna Sabine Harder Schroeder · Presse · Seite 5 

Bemühen, zu Gestaltungen zu kommen. Aus dem Leben des Alltags nimmt die junge Malerin die Figuren. Aus dem Gedächtnis und der Rückerinnerung zugleich entstehen diese Bildnisse. Die Dargestellten werden zu Typen, die in der Isolierung vor der Kargheit des Hintergrundes ganz in ihrer Wesenhaftigkeit dastehen. Aus dem einfachen Dasein heraus tragen sie oft den Ausdruck der inneren Einsamkeit. Keine Verschönerung etwa im Hinblick auf ein ”Sofabild”, sondern die Ergriffenheit allein ist es, welche Melancholie oder psychische Überspanntheit in teilweise dunklen Schöpfungen verdichtet. Jule Schroeder-Harder formt die Menschen in einer z. T. naiven Selbstverständlichkeit, in durchweg dominierender schwarzer Farbe. Nur zwei Arbeiten machen da eine Ausnahme. Die Bedeutung des Umrisses vor flächenhaf- tem Hintergrund steigert die Wesensform der Dargestellten ins überpersönliche, oft ins Visionäre hinein. In der schmucklosen Bild- auffassung steckt eine Steigerung, die diese junge Künstlerin in bewundernswerter Weise zu zwingen weiß. Dabei sind in diesen Bildnis- gestaltungen Umfang und Grenzen ihres Schaffens klar abgesteckt. Naturgemäß lassen sich bei der jungen Malerin kaum Entwicklungsphasen ihrer künstlerischen Arbeit erkennen; dennoch ist erstaunlich, wie Jule Schroeder-Harder bereits mit 15 Jahren das ”Bildnis des Bruders” gemalt hat. Dieses Ölbild, das nicht in der Ausstellung gezeigt wird, verrät schon die Ernsthaftigkeit des künstlerischen Strebens. Der Besucher der Ausstellung sucht beim Betrachten der Bildnisgestaltungen vergeblich nach Leitbildern und Vergleichen mit anderen Malern der Vergangenheit oder Gegenwart. Jule Schroeder-Harder macht ihre eigenen Entdeckungen beim Erfassen des seelischen Bereichs eines Menschen. So kann der Mensch, für den sie sich entscheidet, nicht fliehen oder sich verstecken. Bleibt so die 

Frage offen, ob diese Bildnisse Maske eines Menschen sind, oder ob den dargestellten Menschen die Maske genommen wurde. Während in den großformatigen Bildnisgestaltungen die Ölfarbe weniger pastos aufgetragen ist, spielt die Farbigkeit der Palette in den kleinen Landschaften eine andere Rolle. Der Beweggrund, die Bildkomposition in den Landschaften immer wieder neu zu beleben, liegt darin, daß die Malerin von der Weite und Grenzenlosigkeit der Landschaft Sylts angesprochen worden ist. Inder Wahl der Motive wie ”Winterlandschaft”, ”Grüne Landschaft” oder ”Herbst” wird offenbar, wie sparsam die Mittel der Darstellung sind. Die Leichtigkeit der Handschrift spielt hier eine große Rolle, gerade im ”Herbst”, der farbig fein abgestimmte Akzente trügt. Wie in den kleinen Landschaften sind mit wenigen Linien die Erscheinungen des Landschaftsbildes auch in den Zeichnungen klar disponiert. Jule Schroeder-Harder gibt mit dieser Ausstellung erstmalig einen Einblick in eine Welt, die voller Figur ist. Beachtenswert ist diese Kunstschau 69/70 deshalb, weil sie den Beginn einer zukunftsvollen künstlerischen Laufbahn eines in sich bescheidenen, jungen Menschen zeigt. Walter Bamberger



 


Bild 13.01.1994